Christen Halter
Home Chare
Pflegestuhl
Diplomarbeit
Hochschule Darmstadt
Fachbereich Gestaltung
Studiengang Industriedesign 2008
Betreuer: Prof. Tom Philipps



Staatspreis Industriedesign
Home Chare ist ein Pflegestuhl, der die Anzahl benötigter Hilfsprodukte reduziert und die Menschenpflege vereinfacht. Er vereint Rollstuhl, Liege und Patientenlifter in einem Produkt und erleichtert den problematischen Patiententransfer (Umsetzen, Anheben, Aufstehen). Der Stuhl ermöglicht drei Verstellpositionen – Liegen, Sitzen, Stehen.
Die modulare Bauweise besteht aus Sitz- und Transporteinheit, die über eine asymmetrische Anbindung miteinander verbunden sind. Das Transportmodul ist austauschbar. Ein Rollstuhlmodul mit Greifrädern wird beipielsweise durch ein Trolleymodul mit Rollen für die häusliche Nutzung ersetzt. Das Sitzmodul kann über die universelle Anbindung mit einem Treppenlifter oder einem KFZ verbunden werden. Der Patient muss dadurch nicht angehoben und umgesetzt werden.
Die Sitzverstellung erfolgt über elektroaktive Polymere, die Antriebstechnik und Trägermaterial vereinen. Über eine elektrische Spannung wird die Form des Polymers gezielt manipuliert und ermöglicht verschiedene ergonomische Sitzpositionen.
Würdigung
Die häusliche Pflege kranker und hilfsbedürftiger Menschen ist ein wichtiges soziales Thema in unserer Gesellschaft. Die Genesung bzw. Pflege im vertrauten häuslichen Bereich ist besonders für alte Menschen von Bedeutung. Problematik der häuslichen Pflege sind oft örtliche Gegebenheiten – Stichwort barrierefreies Wohnen – und der personelle Pflegeaufwand.
Christen Halter hat sich in seiner Diplomarbeit äußerst konsequent mit dieser Problematik befasst. Überzeugt wurde die Jury durch das innovative Konzept und die ganzheitliche Ausarbeitung dieses neuen Pflegeprodukts. Konzeption, ausgeführter Entwurf und die Präsentation des Home Chare sind von beispielhafter Qualität und Überzeugungskraft.
Hervorzuheben sind die professionelle Recherche, die in einem schlüssigen modularen Konzept aufgeht: Für jede Transportsituation /Problematik im Pflegealltag wird ein Modul angeboten und somit der schwierige Transfer des Patienten vermieden.
„Form follows Function” heißt der gute alte Lehrspruch des Designs, aber erst neuartige Technologien machen es möglich, gestalterische Quantensprünge zu vollziehen: Intelligent wird die neue Technologie EAP (elektroaktive Polymere) als Ersatz für eine aufwändige und schwere Sitzverstellung vorgeschlagen. Somit gelingt ein leichter, gestalterisch ansprechender und gut zu reinigender Sitz.
Oft leidet die gestalterische Qualität bei Produkten mit so hohen technischen und funktionalen Anforderungen. Christen Halter gelang mit seinem integrativen und ganzheitlichen Gestaltungsprozess jedoch eine überzeugende ästhetische Interpretation und Umsetzung dieser anspruchsvollen Aufgabenstellung, die geprägt ist von der Absicht, ein Gerät zu entwickeln, das zugleich gestalterisches Selbstverständnis und Zurückhaltung vermittelt.
Oliver Sieghart
BMW Group, München
