Bayerischer Staatspreis für Nachwuchsdesigner

Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie

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08.06.01 Nachwuchs-Designpreis: Verleihung im Maximilianeum gibt Denkanstöße

"Design oder Nichtsein" -mag sein, daß das Wortspiel unter Designern nicht neu ist. Landtagspräsident Johann Böhm jedenfalls traf damit in seiner Begrüßungsrede genau den Kern von Sinn und Bemühung des Bayerischen Staatspreises für Nachwuchs-Designer. Dieser Förderpreis des Bayerischen Wirtschaftsministeriums wurde heute zum neunten Mal, und zwar dieses Mal im Bayerischen Landtag, verliehen. Gerne haben wir die Tore des Maximilianeums weit aufgemacht" betonte Böhm bei der Anführung seiner Gründe: Zum einen war die Förderung von talentiertem Nachwuchs einer der ursprünglichen Hauptzwecke, weshalb das Maximilianeum gebaut wurde, und wo noch heute mit den Maximilianeern die begabtesten Studentinnen und Studenten Bayerns und der Pfalz zu Hause sind, Auch war das Maximilianeum selbst Ergebnis eines europaweiten Design- bzw. Architekturwettbewerbs I und drittens erinnerte der Landtagspräsident an die Mitverantwortung der hierher Abgeordneten an der staatlichen Design-Förderung.

In den letzten Jahren war zunehmend von der Öffnung des Landtags die Rede. Dies begann mit Überlegungen, die Arkaden für ein öffentliches Cafe zu nutzen und führte im politischen Bereich dazu, daß zunehmend Sachverstand von außen in Enquete-Kommissionen, Hearings und dem anstehenden Anhörungsrecht der kommunalen Spitzenverbände ins Parlament geholt wird. Zuletzt trug der Behnisch-Entwurf für den neu zu gestaltenden Plenarsaal in Form eines Glaskastens auf dem rückwärtigen Teil des Maximilianeums zum Thema Öffnung und Zugänglichkeit des Parlaments bei. Vergleichbar mit der neu gestalteten Reichstagskuppel in Berlin und offener und ehrlicher als im exekutiven Bereich - der etwas verschämte oder auch alibihafte Versuch beim Neubau der Bayerischen Staatskanzlei mit einer Glaswand des Kabinetts eine Lösung für eine Öffnung nach außen zu präsentieren.

Es lag nahe, daß bei der gestrigen Design-Preisverleihung Verbindungen zur Behnisch-Idee hergestellt werden würden. Einen ersten Hinweis gab Böhm selbst Wohl am deutlichsten undüberzeugendsten sprach sich der Geschäftsführer des Design Zentrum München, Hans Hermann Wetcke, für eine Verwirklichung aus. Das Design-Zentrum hatte im wesentlichen die Veranstaltung gemeinsam mit dem Landtagsamt und der Fotoschule München organisiert. Dabei wurde ein Publikum - der Senatssaal platzte aus allen Nähten - hinzugezogen, welches, so Grünen-Fraktionschefin Ruth Paulig begeistert, "sonst nie den Weg ins Parlament gefunden hätte".

Jutta Ressie von sportiv PR München stellte im Gespräch mit MAX aus ihrer Sicht die Professionalität der Veranstaltung heraus. Der Freie Architekt Adalbert Bunge hielt angesichts des "vielen Schrotts, der oft zu sehen ist", solche Veranstaltungen für "sehr wichtig". Graphik-Student Ingo Speth hatte sich beim ersten Hinsehen "mehr vorgestellt" und zeigte sich dann "sehr zufrieden" und fand gerade die in den Laudationes erfolgten Vorstellungen der Hauptpreisträger "höchst interessant". Übereinstimmend positiv wurde die Verknüpfung der alten Bausubstanz mit neuem Design aufgenommen. Spürbar war allerdings auch Kritik. Mancher wie Späth oder auch Ruth Paulig (und auch der Autor) fühlte sich bei vielen ausgestellten Exponaten etwas alleingelassen, was nicht für die bei der Preisverleihung erläuterten Gewinner-Projekte galt.

Dies waren im Bereich Industriedesign ein "Pneumatisch betriebenes Liegefahrrad" sowie das mit weltraumverträglichen Materialien dargestellte "Pneo-Wohnen im Weltraum". Nach vielen Befragungen fand jedoch höchste Akzeptanz der Staatspreis im Bereich Gestaltendes Handwerk. Katja Höltermanns "Sensible Trinkgefäße" empfanden wohl die meisten Besucher schlicht als schön. Und sie stimmten der Beschreibung des Laudators zu, sie bestächen durch "Intelligenz und Humor". Peter Nickl von der Handwerkskammer für München und Oberbayern hatte auch das Besondere, fast Mystische dieser Trinkgefäße erläutert.

Wenn man sage "etwas geht zur Neige" meine man damit einen Abend, einen Vorrat, ein Glas Wein. Dies sei das Thema dieser silbernen Schalen. Je mehr man aus ihnen trinke, desto mehr neigten sie sich zur Seite. Werden sie wieder vollgefüllt, richten sie sich wieder auf. Für dieses sowie einfache als auch überzeugende Neigespiel mußte in schwierigen physikalischen Versuchen im Inneren des Gefäßes ein verborgener Punkt gefunden werden, welcher den gefüllten Becher im Gleichgewicht hält. Die Schalen redeten mit dem Benutzer - auffordernd, augenzwinkernd oder auch mahnend.

Der Vertreter der Handwerkskammer nutzte seine Ansprache auch für politische Anliegen. Er warnte vor der Auflösung sogenannter "Meisterklassen". Er wies darauf hin, daß "seine Preisträgerin" aus dem Handwerk, und zwar ursprünglich dem der Gold- und jetzt der Silberschmiede, kommt. Nickl griff damit ein in die Diskussion um die bestmögliche Ausbildung und Förderung im Design-Bereich. Dieser für die Grüne Ruth Paulig "farbigste" Redebeitrag wies auch auf die Situation hinter den Kulissen hin. Die Design-Ausbildung in Bayern gilt nicht als die beste, hinkt hinter dem vielgerühmten "Bayern innovativ" hinterher.

Eine Umkehr ist zu erwarten. Motor war zum Beispiel der CSU-Abgeordnete Franz Brosch (seine Frau ist Ehemalige der Fotoschule München), und der Landtag hat kürzlich wesentliche Initiativen zur Verbesserung der Design-Szene auf den Weg gebracht. Denn, so auch Wirtschaftsminister Otto Wiesheu bei der durch ihn erfolgten Preisverleihung, der Freistaat brauche fähige Nachwuchskräfte im Bereich Design, damit "Bayern seine wirtschaftliche Spitzenfunktion halten und weiter ausbauen kann". De-sign oder Nicht-sein.

Die Ausstellung ist geöffnet bis zum 9. Juli und zwar Mo. - Do. 9- 18 und Fr. 9 -14 Uhr.

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