Bayerischer Staatspreis für Nachwuchsdesigner

Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie

Diana Carbach


Begehbares Musikstück
Michaels Reise durch die Oper „Licht“


Diplomarbeit
Fachhochschule Wiesbaden
Fachbereich Design Informatik Medien
Studiengang Innenarchitektur | 2007–2008

Betreuer:
Prof. Johannes Kiefer,
Prof. Reiner Wiesemes

Begehbares MusikstückBegehbares Musikstück

Staatspreis Interior Design

Bei diesem Eventkonzept zu Karl-Heinz Stockhausens Opus „Licht“ wird der Gas­ometer Oberhausen zum riesigen, „begehbaren Musikstück“. Auf Stegen und mit Hilfe eines raumschiffartigen Aufzugs durchquert das Publikum eine gigantische Raummaschine aus beweglichen Wänden, Licht- und Soundeffekten.

Dargestellt wird die Oper aus der Sichtweise des Protagonisten Michael. Er nimmt die Besucher mit auf eine Reise durch den Kosmos, versinnbildlicht durch den Gaso­meter, um ihnen das Wirken der verschiedenen Kräfte im Universum zu zeigen. Merklich verändert sich der Kosmos auf der Reise vom Gasometerboden nach oben. Aus dem Nichts klappen Wände um, es entstehen neue Räume, sie öffnen sich wieder oder kehren sich um. Oben angekommen fällt ein Vorhang, der das Ende der Reise markiert. Der raumschiffartige Aufzug kehrt zum Gaso­metergrund zurück. Am Boden angekommen, scheint alles so wie am Anfang. Allerdings hat der Besucher durch seine Reise auch einen anderen Blickwinkel auf den Kosmos kennen gelernt.

Würdigung

Die ausgezeichnete Arbeit setzt sich ebenso originell wie wegweisend mit einer neuen Art der Erlebnisfähigkeit von Musikwerken in einem zeitgemäßen und modernen, da restaurierten historischen Raumkontinuum auseinander und entwickelt damit eine Vision darüber, wie in Zukunft durch inszenatorische Mittel Musikgenuss und Raumerlebnis zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen und dadurch neue Zielgruppen für Musik erreicht werden können.

Karlheinz Stockhausens siebenteiliger Opern-Zyklus „Licht“ erfährt im über­raschenden Raumimpressario eines historischen Gasometers eine erstmalige und einzigartige szenische Umsetzung in ein räumliches Gefüge, bei dem Licht- und Klang­impressionen korrelieren und aufeinander abgestimmt komponiert werden. Auf diese Weise entstehen Bühnenbild-Räume, die sich erlebnishungrige Musikliebhaber erarbeiten und begehen können. Mit Begleitung von Multimedia wird der Besucher unmittelbar selbst Teil der Inszenierung, kann sich mitten im Opus finden und neben dem Musik­bezug auch sehr starke räumliche Wahrnehmungsbeziehungen zur Mythologie eines der wichtigsten zeitgenössischen Komponisten herstellen.  

Mit diesem Konzept werden neue Wege der Inszenierung von Musik- und Opern­werken aufgezeigt, die den konventionellen architektonischen Rahmen klassischer Opernhäuser mit der Trennung von Auditorium und Bühne verlassen und die mit modernen technischen Mitteln die Welt der Musik und der Oper unmittelbar und intensiv erlebbar werden lassen. Damit wandeln sich passiv konsumierende Zuschauer und Zuhörer in aktive Erarbeiter und Erleber. Menschen werden damit selbst zu geistig und körperlich beweglichen Protagonisten.

Eine insgesamt mutige, Mut machende Arbeit, die eine neuartige Synthese von Musik und Raum aufzeigt.

Prof. Rudolf Schricker
Hochschule Coburg

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