Andreas Reiter
Ofen
Entwurf und Gestaltung eines Ofens
Akademie für Handwerksdesign
Gut Rosenberg | 2005
Betreuer: Elmar Heimbach



Staatspreis Gestaltendes Handwerk
Der Ofen besteht aus Feuerbeton, Schamotte und Metall. Die gegossenen Feuerbetonplatten bilden den Ofenkörper und werden alleine durch Metallklammern, die als Füße dienen, zusammengehalten. Auf der Ofenoberseite laufen die drei Metallklammern in einer Metallplatte zusammen, die gleichzeitig Aufnahme des Rauchrohrs ist. Alle Metallteile sind gefärbt und geölt, der Beton ist unbehandelt. Die Konstruktion, die Verbindung der Materialien soll sinnvoll und schlüssig sein. Der Entwurf wird von einem System durchzogen. Es gibt drei baugleiche Füße, welche die sechs Platten umschließen. Die Füße greifen alle in die obere Metallplatte und laufen auf der Unterseite wieder zu einem Punkt zusammen, sie schließen das System. Ein breites Band läuft optisch um den Ofen. Beginnend in der Ofenplatte setzt es sich nach hinten im Fuß fort, bildet die Ofenbodenauflage und geht über die Ofenklappe wieder in die Ofenplatte zurück. Der gezielte Einsatz von Stahl und Beton verdeutlicht den Charakter und die Eigenschaften der Materialien: die Stahlfüße /-klammern, die Zug- und Druckkräfte aufnehmen, stabilisieren und können elastisch sein; der Beton als statischer Körper und Halt, der Wärme speichert und sie langsam wieder abgibt. Beide kommen ohne einander nicht aus. Sie bilden ähnlich dem Stahlbeton in der Architektur eine harmonische Verbindung.
Würdigung
Der bayerische Staatspreis für Nachwuchsdesigner im Bereich des Gestaltenden Handwerks wird im Jahr 2006 an den aus Arnstorf in Niederbayern stammenden Metallgestalter Andreas Reiter verliehen. Andreas Reiter hat seine handwerkliche Ausbildung in Bayern absolviert. Nach vier Gesellenjahren in verschiedenen Betrieben, unter anderem in einem Schmiedebetrieb mit dem Schwerpunkt Ofenbau, besuchte er von 2002 bis 2003 die Meisterschule in München und schloss dort mit dem Metallbaumeister ab. Seit dem Jahr 2003 besucht Andreas Reiter die Akademie für Handwerksdesign auf Gut Rosenberg bei Aachen. Während dieser Weiterbildung entstand im Jahr 2005 sein Ofen, für den er mit dem Bayerischen Staatspreis für Nachwuchsdesigner ausgezeichnet wird. Der Ofen besteht aus Feuerbeton, Schamotte und Metall. Die gegossenen Feuerbetonplatten bilden den Ofenkörper und werden allein durch Metallklammern, die auch als Füße dienen, zusammen gehalten. Auf der Ofenoberseite laufen die drei Metallklammern in einer Metallplatte zusammen, die gleichzeitig der Aufnahme des Rauchrohrs dient. Alle Metallteile sind gefärbt und geölt, der Beton ist unbehandelt, der Ofen hat die Ausmaße 70 cm lang, 43 cm breit, 87 cm hoch. Die Jury überzeugte sowohl der Entwurf, wie die Konstruktion und Ausführung des Ofens. In seiner Gessamterscheinung wirkt der wohlproportionierte Ofen eher zierlich und einfach, auch bedingt durch die Wahl der Materialien Beton und Eisen. Bei Hinsehen entdeckt man jedoch den Reiz der ausgeklügelten Konstruktion und der Verbindung, wie die drei baugleichen Metallfüße die Betonplatten umklammern und festigen. Sie greifen alle in die obere Metallplatte und laufen auf der Unterseite wieder zu einem Punkt zusammen. Sie schließen das System. So läuft ein breites Band optisch um den Ofen. Beginnend in der Ofenplatte setzt es sich nach hinten im Fuß fort, bildet die Ofenbodenauflage und geht über die Ofenklappe wieder in die Ofenplatte zurück. Der gezielte Einsatz von Stahl und Beton verdeutlicht den Charakter und die Eigenschaften der Materialien. Der Ofen wird ausschließlich mit Holz beheizt, einem nachwachsenden, ausreichend vorhandenen Rohstoff. Die Holzverbrennung basiert auf der Grundofenbauweise, die viele Vorteile bietet. Sie liefert Strahlungswärme, eine sonnenähnliche Wärme, die Gegenstände beziehungsweise Körper und nicht die Luft aufheizt. Im Ofeninneren findet eine fast vollkommene Verbrennung des Holzes statt, das heißt, es fällt nur wenig Asche an, was den Reinigungsaufwand minimiert. Der Holzverbrauch ist gering, da der Grundofen einen hohen Wirkungsgrad und damit hohe Wirtschaftlichkeit aufweist. Alle Ofenwände stehen auf der Betonbodenplatte frei für Dehnungsaufnahme und ohne Mörtelverbindung. Rissbildung in den Fugen wie bei Kachelöfen ist somit nicht möglich. Feuerbeton eignet sich hervorragend als Material, da es extrem hitzebeständig ist (bis zu 2.000° C), in der Industrie verwendet wird (Hochöfen), darum auch in großen Mengen verfügbar ist, einen sehr geringen Wärmeausdehnungskoeffizienten besitzt und zudem noch günstig als Rohstoff zu beziehen ist. Außerdem hat Feuerbeton den Vorteil wie auch normaler Beton, dass man ihn in beliebige Formen gießen kann. Ein weiterer Vorteil ist, dass Feuerbeton in verschiedenen Farben erhältlich ist und somit mehr Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Der Ofenidee von Andreas Reiter liegt ein seit Jahrhunderten bewährtes Grundprinzip des Kachelofenbaus zugrunde. In seiner äußeren Erscheinungsform kommt er jedoch zu einer neuen zeitgemäßen Lösung. Der Ofen wirkt in seiner Schlichtheit vollkommen selbstverständlich. Durch einige wenige handwerklich perfekt ausgearbeitete Details besticht er durch seine gestalterische Qualität. Der Ofen wirkt nicht schwer, sondern grazil und leicht und scheint sich einer jungen, zeitgemäßen Architektur ohne Probleme anzupassen. Insgesamt liegt der Idee zugrunde, dass hier ein Beton-Stahl-Ofen im Baukastensystem verwirklicht wird, der auf Wunsch des Kunden selbst zusammengebaut und aufgestellt werden kann. Der Holzofen wird nach dem Prinzip des Grundofens gebaut, was zahlreiche ökologische, preisliche und kundenspezifische Vorteile mit sich bringt. Beim derzeitigen Stand der Energie- und Rohstoffdiskussion und der zunehmenden Akzeptanz von alternativen, regenerativen Energiequellen, besitzt der Ofen von Andreas Reiter alle Eigenschaften einer jungen, aktuellen Arbeit des Gestaltenden Handwerks und zeigt damit, welche Bedeutung die Akademien für Gestaltung im Handwerk inzwischen eingenommen haben.
Wolfgang Lösche
Bayerischer Handwerkstag, München
